Höligen Göliken

Finnland war für uns eine Symphonie der Superlative. Es feierten 6500 Trachtler aus 26 europäischen Ländern bei der Europeade in Finnland und wir waren vom 26.07 – 01.08.2017 mit 27 Trachtlern aus Waldburg mittendrin. Tanzen verbindet über Generationen und schafft Freundschaften in ganz Europa.

Mit dem Bus ging es am Mittwoch nach München an den Flughafen und schon die Anreise nach Finnland war für einige jüngere Teilnehmer ein großes Erlebnis, denn ihr erster Flug stand an. In Helsinki wohlbehalten angekommen ging es mit dem Bus in die älteste Stadt Finnlands. Turku wurde bereits um 1229 gegründet und war bis 1812 Finnlands Hauptstadt. Zu sehr später Stunde bezogen wir dann unsere Unterkunft in einer Wirtschaftsschule und teilten die Unterkunft mit 26 weiteren Gruppen aus ganz Europa. Bei unserer Ankunft feierten die anderen Bewohner schon und praktizierten die europäische Idee eines friedlichen Europas. Portugiesen, Spanier, Letten, Ungarn, Deutsche, Finnen, Esten lebten 6 Tage unter einem Dach und durch unsere Vielseitigkeit schafften wir Freundschaft und Einigkeit. Musik, Tanz und Lebensfreude war das verbindende Element.

Den Donnerstagmorgen nutzen wir für die erste Erkundungstour durch Turku. Sightseeing, Shopping, Gastronomiebesuche oder spazieren am Flussufer und die anderen Europeadeteilnehmer bei ihren Auftritten auf den kleinen Bühnen zu beobachten stand auf dem Vormittagsprogramm. Nachmittags war es so weit und wir hatten unseren ersten Auftritt auf einer Bühne im Handerkermuseum. Das Handerkermuseum ist vergleichbar mit unserem Bauernhausmusem in Wolfegg, nur auf Finnisch. Der Tag neigte sich dem Ende zu, doch es war für uns noch lange nicht Schluss und es ging weiter in das Gatorade Center. Das Gatorade Center wird primär für Eishockeyspiele verwendet, wird aber oft umfunktioniert in eine multifunktionale Arena für alle möglichen Veranstaltungen. So war das Eishockeystadion für die nächsten fünf Tage die Hauptbühne für die Europeade. Wir bezogen auf den oberen Rängen des Stadions als Gäste unsere Plätze und bewunderten die dreistündige, multikulturelle und farbenfrohe Eröffnungsveranstaltung. Danach ging es zurück in unsere Unterkunft und wir konnten Zeuge der langen Tage in Finnland werden. Selbst um 22:30 Uhr war es erstaunlich hell bevor es dann um Mitternacht schlagartig für kurze Zeit dunkel wurde.

Freitags ging es gleich früh morgens weiter, denn es war unser freier Tag und Ausflugstag. Es ist eine gute Tradition bei uns im Verein einen Tag bei unseren Auslandsreisen zu nutzen, um Land und Leute besser kennen zu lernen. Unser Ziel an diesem Tag war die Insel Seili im finnischen Schärenmeer. Das Schärenmeer ist ein Teil der Ostsee, zwischen dem finnischen Festland und den Åland-Inseln. Die Gegend gilt als eines der schönsten Archipele der Welt. Wir fuhren mit dem Bus von Turku über Naantali, der Sommersitz des finnischen Präsidenten zur Insel Aslalutoto und danach mit der Fähre nach Seili. Die Geschichte der Insel Seili als eine Spitalinsel begann im Jahre 1619, als sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts an der Westküste Finnlands die Lepra ausbereite, und Gustav Adolf II, König von Schweden, ein Spital auf der Insel errichten ließ. Auf Seili befanden sich bereits ein geschützter Ankerplatz, sowie Sandhügel, die sich für die Errichtung eines Friedhofes gut eignete. Wenig später, im Jahr 1624, wurde die kleine Holzkirche, die ursprünglich zum St. Georg Hospital in Turku gehörte auf die Insel verlegt. Die Kirche wurde im Sommer des Jahres 1733 fertigstellt. Der letzte Leprakranke auf Seili starb im Jahre 1785. Die psychiatrische Anstalt existierte jedoch bis zum Jahr 1962, davon die letzten 70 Jahre als Psychiatrische Klinik für Frauen.

Die ersten drei Tage vergingen wie im Flug und am Samstag war der große Paradetag. Zuvor machte sich unsere Gruppe nach dem Frühstück zu einer der vielen kleine Bühnen am Flussufer auf, um unser Allgäuer Brauchtum den Zuschauern zu präsentieren. Nach der Performance ging es auf Exkursion in das Museum „Wäinö Aaltonen Museum of Art“ und wir konnten von Jacob Hashimoto seine Ausstellung „Giants and Uncertain Atmospheres“ bewundern. Nach der Mittagszeit füllte sich das Stadtzentrum bzw. das Flussufer mit immer mehr Trachtlern aus ganz Europa, die sich zu dem Aufstellungsplatz für die Parade begaben und ein farbenfrohes Gewusel entlang der Uferpromenade entstand. Pünktlich um 15:00 Uhr startete der Umzug und 6500 Trachtler zogen musizierend, singend und tanzend durch die Straßen Turkus. Am Abend, stand zur Ehren der 100-Jahrfeier Finnlands der Humpaa Huipulle Weltrekord auf dem Programm und alle Europeadeteilnehmer und Bürger waren dazu eingeladen. Der Weltrekordtanz startete zeitgleich im Europeade-Dorf am Varvintori um 20:20 Uhr und 30.000 Menschen tanzten Humpa, eine Art Foxtrott.

Sonntag war unser letzter Tag in Turku bevor es dann Montag wieder in die Heimat ging. Die letzte große Feierlichkeit stand auf dem Programm und die Trachtler aus Waldburg machten sich wieder auf den Weg in das Gatorade Center, um an der Abschlussveranstaltung teilzunehmen. Diesmal standen wir selber auf der Bühne und zeigten dem begeisternden Publikum Allgäuer Brauchtum und präsentierten ihnen zwei schmissige Schuhplattler. Nach drei Stunden ging auch diese farbenprächtige und schwungvolle Veranstaltung zu Ende und der Präsident des Internationalen Europeade Committee Armand de Winter gab die ersten Einblicke und Eindrücke für die nächstes Europeade, die nächstes Jahr in Portugal stattfindet.

Noch zur Auflösung der Überschrift: „Höligen Göliken“ hat eigentlich keine Bedeutung oder Sinn und ist nur ein Kunstwort. Letztendlich war es eine nette Sprachübung und Trinkspruch, die unser finnische Guides Heikki Kujanpää an einem lustigen Abend uns beibrachte. An dieser Stelle nochmals ein recht herzliches Dankeschön an dich Heikki. Unser Fazit zu der Reise ist: „Finnland ist mehr als eine Reise wert!“ Finnland hat uns beindruckt durch wunderbare Landschaften, die finnische Kultur, Sehenswürdigkeiten und dass man doch auch etwas entschleunigt durch das Leben gehen kann.